Die 12 Isonzoschlachten

 

 

Erste Schlacht (23.6.-7.7.1915):

Nachdem er in der ersten Offensive keinen Gewinn hatte erzielen können, stoppte Cadorna die Operation, um die Schwere Artillerie zu verstärken. Die Österreicher erweiterten ihre Armee um zwei Divisionen. Die Schwerpunkte der Italiener waren gegen den Monte San Michele, die Höhen im Osten und Norden von Monfalcone und um den Brückenkopf von Görz gerichtet. Oslavija und die Podgorahöhen konnten nicht genommen werden, ebenso mussten sich die Italiener vor Plava wieder zurückziehen. Das von den Österreichern bereits aufgegebene Gelände vor Sdraussina blieb in italienischer Hand. Angriffe gegen Selz und Doberdò scheiterten. Nach mehreren Angriffen gelang es der italienischen 14. Division, den Ort Redipuglia einzunehmen. Wiederholte Angriffe nördlich davon bei Polazzo wurden so entschieden abgewehrt, dass die Italiener keine weiteren Angriffe mehr unternahmen. Nur bei Sagrado wurde der Rand der Hochfläche erstiegen und südlich davon der Rand des Karstgebietes erreicht

 

Zweite Schlacht (18.7.-3.8.1915):

Auch intensivere Kämpfe änderten den Frontverlauf nicht, verursachten aber hohe Verluste - 45 000 österreichisch-ungarische Soldaten und 60 000 Italiener. Den Italienern war es wieder nicht gelungen, den Durchbruch zu erzielen. Weder der Frontbogen zwischen dem Monte San Michele und Seiz noch der Görzer Brückenkopf oder der bei Tolmein konnten eingedrückt werden. General Cadorna konnte lediglich geringfügige Geländegewinne vorweisen, die in keinem Verhältnis zu den dafür in Kauf genommenen Verlusten standen.

 

Dritte Schlacht (18.10.-3.11.1915):

Während des Herbsts brachte Cadorna Reservetruppen an die Front und verstärkte seine Schwere Artillerie auf 1200 Geschütze. Die wieder mit Schwerpunkt gegen den Görzer Brückenkopf, den Nordteil der Doberdò-Hochfläche und gegen Zagora gerichteten Anstrengungen der italienischen 3. Armee waren nirgendwo von Erfolg gekrönt. Die gleichzeitig von der italienischen 2. Armee von 21. bis 24. Oktober am Oberlauf des Isonzo geführten Angriffe zwischen Flitsch und Plava brachen ebenfalls unter schweren Verlusten zusammen. Auf italienischer Seite werden die Verluste mit 62.466 Mann an Gefallenen, Verwundeten, Vermissten und Gefangenen angegeben. Die k.u.k. Truppen hatten in dieser Schlacht etwa 40.000 Mann an Verlusten.

 

Vierte Schlacht (10.11.-2.12.1915):

Das dritte und vierte Gefecht waren letztendlich zwei Teile derselben Schlacht, in der 117 000 Italiener und 72 000 Österreicher fielen. Die tapferen Angriffe der italienischen Infanterie hatten nur marginale Geländegewinne erzwingen können. Die strategischen Auswirkungen der ersten vier Offensiven waren ebenfalls begrenzt: Zwölf österreichische Divisionen waren von der Ostfront und aus dem Balkan an den Isonzo bewegt worden; auf das Kampfgeschehen der beiden Kriegsschauplätze hatte dieser Abzug jedoch keinerlei merklichen Einfluss.

 

Fünfte Schlacht (9.3.-17.3.1916):

Eine der kürzesten Isonzoschlachten, die überhaupt nur auf Verlangen der Entente durchgeführt wurde. Frankreich und Großbritannien wollten so eine Entlastung ihrer Soldaten in der Schlacht um Verdun erreichen. General Cadorna überließ in dieser Schlacht das Vorgehen völlig den Befehlshabern der italienischen 2. und 3. Armee. Truppenstärke: Italien: 286 Bataillone und 1.360 Geschütze, plus 90 Bataillone ReserveÖsterreich-Ungarn: 100 Bataillone und 470 Geschütze, plus 30 Bataillone in Reserve (Kräfteverhältnis erneut 3:1). Ziel war erneut die Eroberung des Hochplateaus von Doberdò sowie der Stadt Görz. Die Offensive wurde ohne Geländegewinn abgebrochen.Verluste: durch die Kürze der Schlacht sowie das eher halbherzige Vorgehen Italiens eher klein, beide Seiten: ca. 2.000 Mann.

 

Sechste Schlacht (6.8.-17.8.1916):

Nachdem er den Angriff Conrads im Trentino im Juni 1916 hatte aufhalten können, bewegte Cadorna die vom Isonzo abgezogenen Truppen rasch in ihre Ausgangsposition zurück. 22 italienische Divisionen standen ihm zur Verfügung, während die Österreicher, die ihre Einheiten nicht so rasch von einer Front zur anderen bewegen konnten, lediglich neun aufboten. Drei Tage nach Beginn des Angriffs hatten die Italiener den Fluss überquert und Gorizia eingenommen, aber die übertriebene Vorsicht Cadornas und die nun eintreffenden österreichischen Verstärkungen beendeten die Operation bald. Die Italiener hatten keinen größeren Durchbruch erzielen können, waren aber immerhin auf einer 22-km-Front knapp fünf Kilometer vorgerückt. Dieser erste signifikante Erfolg erhöhte die Moral an der "Heimatfront", obwohl 50 000 Mann gefallen waren (die österreichischen Verluste betrugen 40 000 Mann).

 

Siebte Schlacht (14.9.-17.9.1916):

Nach dem Trommelfeuer traten die Italiener am 14. September auf einer Breite von etwa 20 Kilometern südlich der Wippach zum Angriff an. Am 16. September richteten sich wieder schwere Angriffe gegen den Nordteil der Karsthöhe, die jedoch alle unter großen Verlusten zusammenbrachen. Die großen Verluste der Angreifer hatten zur Folge, dass sie im Bereich nördlich von Görz bei Plava einen intensiven Angriff nicht mehr würden durchführen können. Die Gefechtstätigkeit, die hier über das normale Maß kaum einmal hinausgegangen war, wurde deutlich schwächer. Generaloberst Boroević verlegte auf Grund dieser Lageeinschätzung seine wenigen Reserven in den Bereich südlich von Görz, wo es am 17. und 18. September 1916 nochmals zu massiven Angriffen kam, die jedoch alle erfolgreich abgewehrt werden konnten.

 

Achte Schlacht (10.10.-12.10.1916):

Truppenstärke: Italien: 220 Bataillone, 24 Schwadronen und 1.200 Geschütze, Österreich-Ungarn: 100 Bataillone und 450 Geschütze. Die achte Isonzoschlacht war eine Fortsetzung der siebenten. Das Angriffsziel (Triest) war dasselbe. Zusätzlich wurde ein Ablenkungsangriff zwischen der Wippach und St. Peter bei Görz unternommen. Die Italiener schafften es, östlich von Görz einige Schützengräben zu erobern, sowie einen minimalen Geländegewinn bei Hudi log und Kostanjevica zu erzielen. Verluste: Italien: 24.000 Mann, Österreich-Ungarn: 25.000 Mann

 

Neunte Schlacht (1.11.-4.11.1916):

Truppenstärke: Italien: 225 Bataillone und 1.400 Geschütze, Österreich-Ungarn: 150 Bataillone und 800 Geschütze. Ziel der italienischen Angriffe war erneut der Durchbruch Richtung Triest, wobei sie im Raum Görz Ablenkungsangriffe durchführten. Nach einem Artilleriebeschuss von 5 Tagen ging die italienische Armee zum Angriff über. Diesmal versuchte man mit enormer Truppenkonzentration (8 Divisionen auf nur 8,5 km Frontbreite), den Durchbruch zu erzwingen. Den Italienern gelang der Durchbruch beim Berg Volkovnjak (Kote 284) und die vorübergehende Eroberung der Anhöhe Fajti hrib sowie der Vorstoß bis Kostanjevica und die Einkesselung des Dorfes Hudi log. Boroević’ Armee stand kurz vor dem Zusammenbruch, doch wieder setzte die italienische Armee nicht energisch genug nach und zögerte nach den bereits errungenen Erfolgen zu lange. So konnte Boroević die 5. k. u. k. Armee sammeln, das Dorf Hudi log zurückerobern und die Italiener wieder über die Anhöhe Fajti hrib zurückschlagen. Die Frontlinie nach dieser Schlacht verlief von Fajti hrib über Kostanjevica und Korita bis zum Fluss Timavo. Verluste: Italien: ca. 16.000 Mann, Österreich-Ungarn: 11.000 Mann.

 

Zehnte Schlacht (12.5.-8.6.1917):

Cadorna hatte einer Teilnahme an der alliierten Offensive, die für den Frühling vorgesehen war, zugestimmt und während des Winters seine Truppen verstärkt. 38 italienische Divisionen standen 14 österreichisch-ungarischen gegenüber und konnten zunächst kleine Gebietsgewinne erreichen. Diese mussten jedoch bei der österreichischen Gegenoffensive vom 6.-8.6. wieder abgegeben und zusätzlich hohe Verluste verkraftet werden (157 000 Italiener, aber nur 75 000 Österreicher).

 

Elfte Schlacht (19.8.-12.9.1917):

Truppenstärke: Italien: 450 Bataillone und 4.000 Geschütze, Österreich-Ungarn: 210 Bataillone und 1.400 Geschütze sowie Minenwerfer. Ziel der italienischen Offensive war wieder der Durchbruch nach Triest. Nach einem 2½-tägigen Trommelfeuer auf dem ganzen Frontabschnitt von Tolmein bis zur Adria und einem Ablenkungsangriff bei Görz erfolgte der Hauptangriff südlich von Görz. Den Italienern gelang vorübergehend die Eroberung des Dorfes Jamiano, sie wurden jedoch nach einem österreichischen Gegenangriff von der Höhe Hermada herab wieder zurückgeworfen. Zwischen dem Monte Santo und Zagora, nördlich von Görz, gelang ihnen der Übergang über den Isonzo, die Bildung eines Brückenkopfes und auch dessen Verteidigung. Verluste: Italien: 160.000 Mann (ca. 36.000 Tote), Österreich-Ungarn: 125.000 Mann (17.000 Tote). Die italienische Armee konnte 23.000 österreichische Soldaten gefangen nehmen, die österreichische Armee machte 27.000 italienische Gefangene, was die schwache Kampfmoral zu diesem Zeitpunkt verdeutlicht.

 

Zwölfte Schlacht (24.10.-2.12.1917):

Der erwartete österreichisch-deutsche Angriff kam einen Monat später. Diese Zwölfte Schlacht am Isonzo wurde als Schlacht von Caporetto bekannt. Die nach dem Fluss Isonzo bezeichnete Front von Flitsch bis zur Adriaküste war auf dem oberitalienischen Kriegsschauplatz für beide Seiten die Hauptfront. Seit 1915 hatten die italienischen Truppen am unteren Isonzo mit elf Offensiven (Isonzoschlachten) vergeblich versucht, nach Triest durchzubrechen. Unter schweren Verlusten konnten sie ihre Frontlinie bis September 1917 nur bis zu zwölf km vorschieben. Da aber die österreichisch-ungarische Verteidigung sehr geschwächt war, hielten es die OHL und das österreichisch-ungarische AOK für notwendig, einer neuen italienischen Offensive mit einer gemeinsamen begrenzten Angriffsoperation zuvor zukommen. Ihr Ziel sollte sein, den Gegner hinter den Tagliamento zurückzudrängen und die eigene Verteidigung zu stabilisieren. Österreich-Ungarn allein besaß dafür nicht genügend Kräfte und Mittel. Für die Angriffsoperation wurde daher die deutsche 14. Armee eingeführt. Die Leitung hatte das österreichisch-ungarische Oberkommando im Einvernehmen mit der OHL, was nicht ohne Reibungen abging.

 

Der Angriffsplan beruhte wesentlich auf der Überraschung des Gegners und einer kurzen, aber äußerst massierten Artillerievorbereitung. Nach Ansicht der OHL und des AOK 14 konnte der Durchbruch nur gelingen, wenn er in einem Zuge erreicht wurde. Den Hauptstoß führte die 14. Armee auf etwa 35 km Breite (nördlich Flitsch bis südlich Selo) im Hoch- und Mittelgebirgsgelände, unterstützt von österreichisch-ungarischen Truppen. Hier, am mittleren Isonzo, wo bisher noch keine schweren Kämpfe stattgefunden hatten, war der Gegner schwächer. Die 14. Armee umfasste 15 Divisionen (drei als Reserve), 1845 Geschütze (davon 492 schwere), über 350 Minenwerfer, etwa 1000 Gaswerfer, 100 Flugzeuge u. a. Für den Gebirgskrieg waren acht zumeist österreichisch-ungarische Divisionen besonders vorbereitet. Die deutsche Seite setzte ein: sieben Divisionen, 540 Geschütze (davon 104 schwere), 216 Minenwerfer, sämtliche Gaswerfer (erstmaliger Einsatz), Flugzeuge und besonders technische Formationen. In den Hauptangriffsrichtungen, aus dem Raum von Flitsch und von Tolmein, vor allem aber auf Karfreit, bestand eine starke Konzentration an Kräften und Mitteln. Die maximale Artilleriedichte erreichte etwa 220 Rohre auf einen km. Die italienische Seite verfügte über zahlenmäßig stärkere Kräfte und Mittel. Ihre Führung erwartete aber die Offensive vor allem am unteren Isonzo, so dass der 14. Armee in der vorderen Linie nicht mehr als fünf Divisionen und schätzungsweise 400-500 Geschütze gegenüberstanden. Die italienische Führung, durch Überläufer vom Angriff unterrichtet, unterschätzte zudem die Gefahr. Zu dieser Zeit befanden sich das italienische Heer und das Hinterland in einer tiefen Krise. Die Soldaten waren kriegsmüde. Im März 1917 hatten an der Isonzofront ganze Brigaden den Gehorsam verweigert. Seit Mai beliefen sich die Verluste des Heers auf 720 000 Mann. Das Hinterland war durch den Streik der Turiner Arbeiter Ende August erschüttert.

 

Die Angriffsoperation begann am 24.10.1917 mit einer etwa siebenstündigen massierten Artillerievorbereitung. Bis zum 26.10. durchbrach die 14. Armee die italienische Verteidigung in ihrer gesamten taktischen Tiefe. Dagegen kamen die Angriffe des rechten Flügels der österreichisch-ungarischen 2. Armee nicht voran. Angesichts der Überlegenheit der Verbündeten in den Hauptangriffsrichtungen und der stellenweise verheerenden Wirkung des Feuers der Artillerie, der Minen- und Gaswerfer wirkte sich die Kriegsmüdigkeit der Soldatenmassen besonders folgenschwer aus. Der größte Anfangserfolg wurde bei Karfreit erzielt und ausgenutzt. Am 27.10. erreichten die Truppen der 14. Armee bei Cividale del Friuli die Ebene, eroberten am 28.10. Udine und standen tags darauf mit Vorhuten am Tagliamento. Von der italienischen 2. Armee existierten nur noch aufgesplitterte Teile. Ganze Regimenter und Einheiten flohen unter Zurücklassen der Waffen oder gingen in Gefangenschaft. Nachdem der Nordflügel der italienischen Isonzofront zusammengebrochen war, mussten sich die Truppen vom unteren Isonzo (3. Armee) und aus den Karnischen Alpen rasch zurückziehen, um nicht abgeschnitten zu werden. Hunderttausende flüchtende Zivilisten verstopften die Straßen. Am Tagliamento kam die Offensive vorübergehend zum Stehen (31.10.-2.11.), da alle Brücken gesprengt waren.

 

Der unerwartete große Erfolg und das weitere rasche Vordringen der verbündeten Armeen nach Westen weckten bei der OHL und dem österreichisch-ungarischen Oberkommando verstärkte Zuversicht. Sie hofften, den Piave rasch forcieren, bis zur Linie Rovereto-Venedig vordringen und Italien zum Waffenstillstand veranlassen zu können. Dazu dienten seit Anfang November auch die Angriffe der Heeresgruppe Conrad in Südtirol (bei Asiago), die jedoch scheiterten. Italiens Niederlage beschleunigte die Bildung des Obersten Kriegsrats der Alliierten am 5.11., der Sofortmaßnahmen zur Unterstützung des italienischen Heers beschloss. Mitte November ging die Offensive der Mittelmächte am Piave in den Stellungskrieg über. Nach einem Vormarsch bis zu 140 km waren die Truppen erschöpft, Reserven und Munition fehlten. Der Gegner, seit Ende November durch sechs französische und vier britische Divisionen verstärkt, baute hinter dem Piave eine neue Verteidigungslinie auf. Am 2.12. wurde die Schlacht endgültig beendet. Der Abtransport der deutschen 14. Armee dauerte bis Februar 1918.


Das italienische Heer verlor bis zum 10.11. 40 000 Tote und Verwundete, 293 000 Gefangene, außerdem 3152 Geschütze, 1772 Minenwerfer, 1600 Kraftfahrzeuge u. a. m. 350 000-400 000 Soldaten waren versprengt und ins Hinterland desertiert. Die Mittelmächte büßten etwa 65 000 Mann ein. Die Angriffsoperation am Isonzo gehört zu den wenigen Operationen im Ersten Weltkrieg, in denen es gelang, den taktischen Durchbruch in Ansätzen operativ auszunutzen.

 

 

 

Quelle u.a. http://www.lexikon-erster-weltkrieg.de/Schlachten_am_Isonzo

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